Kill the Noise - Occult Classic - Review by Leon Brachvogel

Kill the Noise - Occult Classic - Review by Leon Brachvogel
28 Oct
2015

Seit zwölf Jahren ist Jake Stanczak musikalisch aktiv. Nun kann er nach diversen kürzeren Releases auch eine LP als Teil seiner Diskographie verzeichnen. Diese trägt den Namen „Occult Classic“.

Zunächst machte er sich als „Ewun“ einen Namen im Drum and Bass - Genre. Bis 2010  veröffentichte er unter diesem Synonym drei EPs. Dasselbe tat er anschließend als „Kill The Noise“ mit einem breiteren Klangspektrum. Unter anderem arbeitete er mit „deadmau5“ und „Korn“ und remixte Lieder von „Five Finger Death Punch“, Kanye West und „Noisia“. Nun, fünf Jahre nach „Roots“ und drei Jahre nach der „Black Magic EP“ kommt ein dritter Tonträger mit einem Namen, der mit den Themen Esoterik und Ureinwohner zusammenhängt, dazu.

„Occult Classic“ besteht aus zehn Liedern mit einer Gesamtlauflänge von 36 Minuten und wurde am 9. Oktober auf „OWSLA“ veröffentlicht. Von Electro House bis Drumstep bekommt man hier genretechnisch alles zu hören. Nennenswerte Gastbeiträge sind Dillon Francis, Tommy Trash und natürlich „Feed Me“. Vom vielfältigen Sampling experimenteller Natur bis zu charakteristischen Synthesizern ist hier alles vorhanden, was man von einem „Kill The Noise“-Projekt erwarten würde.

Alles beginnt mit „Kill It 4 The Kids“, einem Intro, dessen Höhepunkt nicht lange auf sich warten lässt. Nach dem vielversprechenden Aufbau ist der Trap-Teil ein wenig ernüchternd, jedoch fließt genug vom typischen Sound Stanczaks ein, sodass eine gesunde Mischung entsteht. Lied 2 geht dann schon eher in die Richtung, auf die man hofft, wenn man dieses Album anmacht. Der erste Mainpart hat einen leichten Future House – Einschlag und im weiteren Verlauf geht es dann noch kurz in die Dubstep-Richtung. Eine bunte Mischung mit einer klaren Aussage an andere Künstler: „Fuck your management!

„Mine“ startet mit einem leichten Gitarrenriff, durch das der Übergang in den knalligen Refrain zunächst etwas abrupt wirkt. Dieser klingt dann, als könnte er genauso gut von „Flux Pavilion“ kommen. Jakes Zusammenarbeit mit ihm scheint einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Das Feature mit „Feed Me“ ist wenig überraschend die beste Nummer auf der LP. Kollaborieren die beiden, liefern sie halt meistens sehr stark ab („Far Away“ ausgenommen).  „I Do Coke“ hat etwas von Electro à la „Justice“ und beinhaltet sogar eine Message gegen Drogen, wenn man den Text auf sich wirken lässt.

Titel 5 - "Without A Trace (feat. Stalking Gia)" - hat dann den ruhigen Anfang, den ich mir nach der Dynamik der ersten vier Lieder erhofft habe und funktioniert vom Aufbau und atmosphärisch sehr gut. Der Hauptteil erinnert stark an den neuen Sound von Porter Robinson. Den Titel insgesamt hätte man ruhig noch etwas länger machen können. Das sechste Lied - "Louder (feat. R. City)" - in Zusammenarbeit mit Tommy Trash gefällt mir sehr gut, obwohl man die Vocal weglassen könnte. Stilistisch ähnelt es „The Little Death“, ebenfalls von Tommy Trash. „Kill The Noise“ gelingt es gut, seinen Sound hier einzubringen.

„Dolphin On Wheels“ ist ein Totalausfall. Ich habe nichts gegen experimentelle Spaßmusik, aber das ist über das Ziel hinausgeschossen. Besonders, weil das Album schon eine Minimalanzahl Lieder hat. Dieselbe Idee, die auch hinter dem kostenlosen Download „Meowski666 - Meow Machine“ von Dillon Francis und Jake Stanczak steckte, wird hier für eine Single recycelt. Für einen Lacher gut, mehr aber nicht.

Die Produktion von „Lose Ya Love“ hat wahrscheinlich Spaß gemacht. Im Endergebnis fehlt jedoch der rote Faden. Das Sample im Break und der Trap-Mainpart sind zu sehr voneinander losgelöst. Dabei entsteht ein kleines stilistisches Durcheinander. Song Nummer 9 - "Spitfire Riddim W/ Madsonik (feat. twoton)" - gefällt mir wieder gut. Ich bin kein Fan der runtergepitchten Vocal, aber der Refrain ist stark, besonders der zweite, und ich mag immer wieder die Kombination von Reggaeeinflüssen mit solcher Musik. Das letzte Stück, „All In My Head“ funktioniert sehr schön als atmosphärisches Outro und lässt im zweiten Drittel sogar noch nachdenkliche Töne anklingen. So endet das erste Album von „Kill The Noise“.



Eines lässt sich definitiv gleich über diese LP sagen: Sie ist kompakt und kommt schnell auf den Punkt. Jedoch ist das nicht immer eine gute Sache. Immer wieder habe ich mich beim Hören dabei erwischt, wie ich dachte „Ach, das war’s schon?“. Viele Lieder hätten sich mehr Zeit nehmen können. Manchmal ist man gerade dabei, die vielen musikalischen Eindrücke zu verarbeiten, und dann ist es schon wieder vorbei; schade eigentlich.

Besonders, nachdem sich „Kill The Noise“ so lange für sein Debüt Zeit genommen hat. Produktion und Sounddesign sind gut. Alles hat seinen Platz, ist druckvoll, energiegeladen und nicht überstürzt. Was diese Dinge angeht, ist er an der vordersten Front der Szene. Bei ihm klingt nichts sonderlich austauschbar. Obwohl man an der ein oder anderen Stelle an Hip Hop – Vocals und schrillen Klängen sparen könnte.

Das größte Problem, das ich mit diesem Release habe, ist die Art, wie sich Stanczak auf dieser Platte stilistisch weiterentwickelt hat. Anstatt seinen Klang zu variieren und Dinge einfließen zu lassen, lässt er sich oft von Anderen inspirieren. Das an sich ist nicht verkehrt, dabei übernimmt er aber zu sehr die Charakteristika dieser Künstler. Wenn hier etwas anders klingt, dann häufig nach Sachen, die man bereits kennt.

Bei aller Kritik ist „Occult Classic“ dennoch ein solides Album, das ich jedoch nicht als essenziellen Teil der Diskographie von „Kill The Noise“ ansehen würde. Muss man nicht hören, stellt trotzdem keinen Stillstand dar und ist ein gutes Gesamtprodukt trotz Schwächen in der zweiten Hälfte. Diese Platte zu bewerten ist meiner Meinung nach gar nicht so einfach. Müsste ich meine Gedanken auf einer Skala von 1 bis 10 ausdrücken, würde ich eine 7 geben.

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