MARC DEPULSE - Wie schicke ich meine Demo an ein Label? - Teil 2

Grafik Grafik by Daniel Gläser
11 Aug
2016

Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, bin auch nach 15 Jahren im Geschäft immer noch im ständigen Lernprozess.

Ich bin selber oft hingefallen, habe aber immer wieder gelernt aufzustehen und aus Fehlern zu lernen. Sich permanent den Kopf über die Entwicklung der Musikbranche zu zerbrechen, ist kontraproduktiv. Also: werft die Geräte an und zaubert ein paar tolle Klänge. Dabei ist Innovation ein sehr großer Faktor, den man allerdings nicht begünstigt, wenn man sich zu sehr von Anderen leiten lässt. Macht euer Ding und lasst euch nicht beirren. Sind die Tracks dann fertig, schickt sie zu ein paar Freunden und lasst euch ehrliches Feedback geben. Sind Klang, Struktur und Idee im Einklang – auf zur Labelsuche.

Und dabei sind viele Dinge zu beachten:

DEMO POLICY: Jedes Label äußert explizit seine Wünsche, wie sie gern bemustert werden möchten: E-Mail mit Links, SoundCloud, Online-Upload-Formular oder vielleicht noch ganz klassisch: per Post. So abwegig ist das gar nicht. Ein Link ist mal schnell gemailt, aber wer sich die Mühe macht und eine CD samt Anschreiben verschickt, meint es auch wirklich ernst. Also, auch wenn es unsinnig erscheint: die Demo-Policy muss unbedingt gelesen und befolgt werden!
 
ANREDE: So persönlich wie möglich. Verteilermails werden meist ungelesen gelöscht. Baut euch euer eigenes Netzwerk auf, lernt Leute kennen, vor allem die Wichtigen. Nichts geht über die beliebteste aller Drogen: Vitamin B. Das verspricht zwar noch lange keine Release, aber zumindest einen kürzeren Dienstweg.

STYLE: stellt sicher, dass eure Musik zum Label passt. Kein Techno-Label releast Trance. Und kein House-Label will EDM-Sound. Vorher recherchieren, bevor dem A&R die Locken trommeln!

SINGLE oder EP? Ein Fehler, der gerne gemacht wird. Ein Paket bestehend aus mehreren Tracks ist nicht automatisch eine EP (=Extended Play). Sobald auch nur ein Remix dabei ist, handelt es sich um eine Single. EP ist die kleine Form der LP (=Longplayer=Album) und beinhaltet nur Original Tracks.

INHALT: einfach nur einen Link zu schicken ohne sich vorzustellen, ist unpersönlich und unfreundlich. Jede Begegnung im Real-Life beginnt schließlich auch mit einer Begrüßung oder einem Handschlag und nicht mit „hör hier sofort rein und signe mich!!!“. Bedenkt, dass hinter all diesen Demo-Accounts tatsächlich echte Menschen sitzen, die bei so einer Mail vermutlich keine Lust verspüren, auf überhaupt irgendetwas zu klicken. Schreibt also etwas über euch, woher ihr kommt, wo ihr schon releast habt, ob ihr eine Plattform betreibt oder eine coole Eventreihe am Start habt.

MUSIK: Die Tracks können ungemastert sein, sollten aber nicht zu dünn klingen. Wenn ihr für ein Mastering vorher Geld aus eigener Tasche bezahlt habt, kann das meist umsonst gewesen sein, denn viele Labels haben noch den ein oder anderen Änderungswunsch und freilich ihren hauseigenen Master-Service. Schickt keine Schnipsel. Und auch keine schlecht encodierten MP3s. Sein Baby aus der Hand zu geben, braucht ein wenig Vertrauen. Aber keine Sorge: die Urheberrechte kann euch keiner so schnell streitig machen.

ONE-TRACK-DEMOS: Viele Labels wollen gern das fertige Produkt und nicht nur eine einzelne Nummer. Wenn ihr also die Labelbetreiber nicht persönlich kennt, schickt ein Paket aus Minimum 2, Optimum 4 Tracks. Denn habt ihr wirklich eine starke Nummer produziert, will das Label nicht noch warten bis weitere Tracks fertig werden. Der Umkehrschluss kann sein: habt ihr schon häufig auf dem Label releast, kann man in Absprache mit den Labelbossen die Musik zielgerichtet lenken. Dann macht es natürlich Sinn, einzelne Tracks oder gar erst einmal Strukturen zu senden á la „habt ihr euch das so vorgestellt?“ um vielleicht Tracks für eine EP zu sammeln. Das geht aber auch nur dann.

REMIXE: Schön, dass euer Buddy einen Remix zum Track gemacht hat. Meist bringt das aber gar keine Punkte. Überlasst solche Entscheidungen dem Label, außer der Remixer ist eine große Nummer oder das Ergebnis schlägt das Original um Längen. Generell gilt für Remixe: eine Single mit 3 oder mehr Remixen hinterlässt immer irgendwie den Eindruck, als sei man vom Original nicht überzeugt genug und braucht deswegen mehrere Interpretationen.

ANSPRECHPARTNER: die beste Demo nützt nix, wenn das Label nicht weiß, wie es euch erreichen kann. Also hinterlasst eure Kontaktdaten. Wenn die Demo gut ist, möchte man sich parallel gern etwas über den Künstler informieren. Homepage und soziale Netzwerke unbedingt angeben!

Was die “Absoluten No-Go’s” beim Demo-Versand sind? Das, und natürlich noch ein bisschen mehr, erfahrt ihr im dritten und letzten Teil in der kommenden Ausgabe!

marc-depulse.de

Additional Info

  • Copyright: (Bild © Daniel Gläser | Text © MARC DEPULSE)